US-LLC oder GmbH? Der ehrliche Vergleich für Gründer in Deutschland
LLC, GmbH, UG oder Einzelunternehmen: Gründung, Haftung, Steuern und laufende Kosten im direkten Vergleich. Mit einer klaren Antwort, wann sich die US-LLC mit Wohnsitz in Deutschland lohnt und wann nicht.
9 Min. LesezeitDie Frage „LLC oder GmbH“ stellt sich fast jeder, der in Deutschland gründet und über die Grenze hinaus verkauft. Die kurze Antwort: Beide Rechtsformen beschränken die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen, aber sie gehören zu zwei verschiedenen Rechtsordnungen, und wer in Deutschland lebt, versteuert seinen Gewinn in beiden Fällen in Deutschland. Die Entscheidung fällt deshalb nicht über den Steuersatz, sondern darüber, wo Ihre Kunden sitzen, in welcher Währung Sie kassieren und was mit dem Gewinn geschehen soll.
Dieser Vergleich stellt die US-LLC neben die drei deutschen Rechtsformen, die für Gründer realistisch sind: die GmbH, die UG (haftungsbeschränkt) und das Einzelunternehmen. Er zeigt auch, wo die LLC keinen Vorteil bringt, denn das gehört zu einer ehrlichen Antwort dazu.
LLC, GmbH, UG und Einzelunternehmen im Überblick
| Kriterium | US-LLC | GmbH | UG (haftungsbeschränkt) | Einzelunternehmen |
|---|---|---|---|---|
| Gründung | Online-Antrag beim Bundesstaat, ohne Notar | Notar und Eintragung ins Handelsregister | Notar und Handelsregister, oft mit Musterprotokoll | Gewerbeanmeldung oder Meldung beim Finanzamt |
| Mindestkapital | keines | 25.000 €, davon mindestens 12.500 € vor der Anmeldung | ab 1 € | keines |
| Haftung | beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen | beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen | beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen | unbeschränkt, auch mit dem Privatvermögen |
| Steuern bei Wohnsitz in Deutschland | je nach Typenvergleich Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer, dazu Gewerbesteuer | Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer, zusammen rund 30 % | wie die GmbH | Einkommensteuer, bei Gewerbe zusätzlich Gewerbesteuer |
| Jahresabschluss | Bücher für den IRS und für das Finanzamt | Bilanz mit Offenlegung | Bilanz mit Offenlegung | Einnahmenüberschussrechnung genügt meist |
Gründung: Notar und Stammkapital oder Online-Antrag
Für eine GmbH lassen Sie den Gesellschaftsvertrag notariell beurkunden, bringen ein Stammkapital von 25.000 € auf, von dem mindestens die Hälfte vor der Anmeldung eingezahlt sein muss, und warten auf die Eintragung ins Handelsregister. Seit 2022 ist die Beurkundung auch im Videoverfahren möglich, auf den Notar verzichten können Sie aber nicht. Mit dem Musterprotokoll kosten Notar und Register einige hundert Euro, mit einer individuellen Satzung schnell mehr als tausend.
Die UG (haftungsbeschränkt) nach § 5a GmbHG ist eine Variante der GmbH mit einem Stammkapital ab 1 €, das vollständig in bar eingezahlt wird. Im Gegenzug muss sie ein Viertel ihres Jahresüberschusses in eine Rücklage stellen, bis 25.000 € erreicht sind. Das Einzelunternehmen ist am schnellsten gegründet: Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt, oder für Freiberufler nur der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER.
Die LLC entsteht ohne Notar und ohne Mindestkapital. Die Articles of Organization werden online beim Secretary of State des gewählten Bundesstaats eingereicht, die Gebühr beträgt 50 € in New Mexico oder 100 € in Wyoming. Danach folgen die EIN ohne SSN, der Registered Agent und das Bankkonto. Eine LLC in Deutschland zu gründen ist übrigens nicht möglich: Sie gründen sie in einem US-Bundesstaat, aber vollständig von Deutschland aus, ohne Reise und ohne Visum. Wie das konkret abläuft, lesen Sie auf unserer Seite zur US-LLC-Gründung als Deutscher.
Haftung: Hier gleicht die LLC der GmbH
LLC, GmbH und UG schützen Ihr Privatvermögen vor den Schulden des Unternehmens, das Einzelunternehmen nicht. Deutsche Gerichte erkennen US-Gesellschaften grundsätzlich an, gestützt auf den deutsch-amerikanischen Freundschaftsvertrag von 1954, auch wenn sie von Deutschland aus geführt werden. Der Schutz hat bei allen drei Gesellschaften dieselben Grenzen: Wer Privat- und Firmengeld vermischt oder als Geschäftsführer seine Pflichten verletzt, haftet persönlich. Und für einen Kredit verlangt eine Bank von einer jungen Gesellschaft ohnehin fast immer eine persönliche Bürgschaft.
Steuern: Warum die LLC in Deutschland nicht steuerfrei ist
Wer in Deutschland lebt, hört oft den Rat, die LLC gleich wieder zu vergessen. Für ein bestimmtes Motiv stimmt dieser Rat: Wer eine LLC gründet, um keine deutschen Steuern mehr zu zahlen, wird enttäuscht. Entscheidend ist der Ort der Geschäftsleitung nach § 10 AO. Führen Sie die LLC von Ihrem Schreibtisch in Deutschland aus, liegt die Betriebsstätte in Deutschland, und der Gewinn wird hier besteuert. Die oft zitierten 0 % Bundessteuer bedeuten nur, dass die USA nichts erheben, nicht, dass niemand etwas erhebt.
Wie genau besteuert wird, entscheidet der Typenvergleich nach dem BMF-Schreiben vom 19. März 2004. Wird die LLC als transparent eingestuft, erfasst das Finanzamt den Gewinn direkt bei Ihnen, mit Einkommensteuer und bei gewerblicher Tätigkeit mit Gewerbesteuer, im Ergebnis ähnlich wie beim Einzelunternehmen. Gilt sie als Kapitalgesellschaft, ist sie wegen ihrer Geschäftsleitung in Deutschland hier selbst unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig und zahlt Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer wie eine GmbH. Die Einzelheiten stehen in unserem Artikel zur Besteuerung einer US-LLC bei Wohnsitz in Deutschland.
Zum Vergleich die deutschen Formen: Die GmbH und die UG zahlen 15 % Körperschaftsteuer plus Solidaritätszuschlag und je nach Hebesatz der Gemeinde Gewerbesteuer, zusammen meist rund 30 %. Schüttet die Gesellschaft den Gewinn aus, fällt bei Ihnen Abgeltungsteuer an, und die Gesamtbelastung steigt auf knapp 50 %. Beim Einzelunternehmen zahlen Sie Einkommensteuer nach dem persönlichen Tarif, der bis 42 % reicht, für sehr hohe Einkommen 45 %. Für Gewerbetreibende kommt Gewerbesteuer hinzu, allerdings mit einem Freibetrag von 24.500 € und weitgehender Anrechnung auf die Einkommensteuer nach § 35 EStG. Freiberufler zahlen gar keine, eine GmbH dagegen immer, auch wenn ihr Geschäftsführer Freiberufler ist.
Laufende Kosten: Was jedes Jahr anfällt
Die GmbH und die UG sind im Unterhalt am teuersten. Sie bilanzieren, legen ihren Jahresabschluss offen, zahlen den IHK-Beitrag und stehen im Transparenzregister, und der Steuerberater für Bilanz und Erklärungen kostet in der Praxis schnell mehrere tausend Euro im Jahr. Das Einzelunternehmen kommt mit einer Einnahmenüberschussrechnung aus und ist mit Abstand am günstigsten.
Die LLC liegt dazwischen, mit zwei Kostenblöcken. Auf der amerikanischen Seite stehen Registered Agent, Geschäftsadresse, gegebenenfalls der Annual Report des Bundesstaats und jedes Jahr das Formular 5472 mit einem 1120 für den IRS. Auf der deutschen Seite bleibt Ihr Steuerberater, denn der Gewinn der LLC gehört in Ihre deutsche Steuererklärung. Eine LLC ersetzt also keinen Steuerberater, sie kommt zu ihm hinzu. Was die amerikanische Seite genau kostet, zeigt unser Artikel über die Kosten einer US-LLC.
Rechnungen an deutsche Kunden: Umsatzsteuer und Wahrnehmung
Ein verbreiteter Irrtum lautet, eine US-LLC stelle Rechnungen an deutsche Firmenkunden ohne Umsatzsteuer, mit dem Vermerk Reverse Charge. Das Reverse-Charge-Verfahren nach § 13b UStG gilt aber nur für Unternehmer, die im Inland weder Sitz noch Geschäftsleitung noch Betriebsstätte haben. Wird Ihre LLC von Deutschland aus geführt, ist sie umsatzsteuerlich in Deutschland ansässig, braucht eine deutsche Steuernummer, und ihre Rechnungen an deutsche Kunden tragen deutsche Umsatzsteuer, genau wie die einer GmbH. Für Leistungen an Firmenkunden in anderen EU-Ländern oder in den USA gelten dieselben Regeln wie für jedes deutsche Unternehmen.
Dazu kommt die Wahrnehmung. Eine Einkaufsabteilung, die täglich mit GmbHs arbeitet, stutzt bei einer Rechnung aus Wyoming, fragt nach der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer und prüft bei Lizenzzahlungen ins Ausland einen Steuerabzug nach § 50a EStG. Bei öffentlichen Aufträgen und großen Konzernen kostet das Zeit. Amerikanische und internationale Kunden sehen es umgekehrt: Für sie ist die LLC die vertraute Form und die GmbH die erklärungsbedürftige.
Sozialversicherung: Die LLC ändert nichts
Als Einzelunternehmer sind Sie in Deutschland krankenversicherungspflichtig, gesetzlich oder privat, und nur in bestimmten Berufen rentenversicherungspflichtig. Ein Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH oder UG mit mindestens der Hälfte der Anteile ist in der Regel nicht sozialversicherungspflichtig, ein Fremdgeschäftsführer schon. Eine LLC ändert an Ihrer Lage nichts: Sie bleiben in Deutschland versichert wie ein Selbständiger, und in den USA fallen für Sie als Nichtansässigen keine Sozialabgaben an.
Wann die US-LLC die richtige Wahl ist
Die LLC spielt ihre Stärken aus, sobald Ihr Geschäft international ausgerichtet ist. Sie verkaufen an Kunden in den USA oder weltweit, Sie wollen in Dollar kassieren und Dollar halten, Sie brauchen Stripe über eine US-Gesellschaft, einen Verkäuferzugang zu Amazon.com oder ein amerikanisches Geschäftskonto. Für ein SaaS, eine App, eine Agentur mit US-Kunden oder einen Onlineshop mit internationalem Publikum ist sie die Form, die Plattformen und Kunden erwarten. Dazu kommen die niedrigen Einstiegskosten, kein Notar und kein Stammkapital.
Wann die GmbH oder UG besser passt
Sitzen Ihre Kunden überwiegend in Deutschland, ist die deutsche Gesellschaft einfacher. Das gilt auch, wenn Sie Mitarbeiter in Deutschland einstellen, einen Bankkredit oder Förderung von KfW oder Land beantragen wollen, sich an Ausschreibungen beteiligen oder deutsche Investoren suchen. Die UG ist der günstige Einstieg, wenn wenig Kapital da ist, und kann später zur GmbH werden. Und wenn Sie hohe Gewinne im Unternehmen lassen wollen, um sie zu reinvestieren, spricht die Besteuerung von rund 30 % für die Kapitalgesellschaft.
LLC oder Einzelunternehmen?
Der Vergleich liegt näher, als es scheint. Für den IRS ist eine LLC mit einem einzigen Eigentümer eine disregarded entity, also steuerlich nichts anderes als ihr Inhaber. Auch in Deutschland landet ihr Gewinn bei transparenter Einstufung in Ihrer Einkommensteuer, wie beim Einzelunternehmen. Der Unterschied liegt in der Haftung und im Marktzugang: Die LLC schützt Ihr Privatvermögen und öffnet amerikanische Zahlungsdienste, bringt dafür aber Pflichten in zwei Ländern statt in einem mit sich. Für einen Freiberufler mit deutschen Kunden bleibt das Einzelunternehmen die schlankere Lösung.
Beides kombinieren: die LLC neben Ihrem deutschen Unternehmen
Viele Gründer entscheiden sich nicht für das eine oder das andere. Das Einzelunternehmen oder die GmbH bedient den deutschen Markt, die LLC den amerikanischen und internationalen, mit eigenem Dollarkonto und eigenem Stripe-Zugang. Auch eine GmbH kann Gesellschafterin einer LLC sein. Steuerlich bleibt es dabei, dass die Gewinne der LLC in Deutschland erklärt werden, deshalb sollten Sie diese Aufteilung vor der Gründung mit Ihrem Steuerberater besprechen.
Für die amerikanische Seite brauchen Sie nichts selbst zusammenzusuchen. LLC Place übernimmt die Eintragung im Bundesstaat, die EIN ohne Sozialversicherungsnummer, den Registered Agent, die Geschäftsadresse, das Operating Agreement und die Begleitung bei der Kontoeröffnung, alles ab der ersten Zahlung. Die jährlichen IRS-Erklärungen sind optional für 199 € im Jahr buchbar, für 398 € im Jahr mit einem eigenen Steuerexperten, und in den Tarifen Pro und Founder enthalten. Die Erklärung beim Finanzamt bleibt Sache Ihres Steuerberaters, dem Sie alle Unterlagen aus Ihrem Dashboard übergeben.
Häufige Fragen
Ist eine LLC das Gleiche wie eine GmbH?
Nein. Beide beschränken die Haftung, aber die LLC ist eine amerikanische Rechtsform, die ohne Notar und ohne Mindestkapital online gegründet wird, während die GmbH ein Stammkapital von 25.000 €, einen Notar und die Eintragung ins Handelsregister verlangt. Steuerlich wird die LLC in Deutschland je nach Typenvergleich wie eine Personengesellschaft oder wie eine Kapitalgesellschaft behandelt.
Was ist der Vorteil einer LLC?
Sie ist schnell und günstig gegründet, schützt Ihr Privatvermögen und gibt Ihnen Zugang zum amerikanischen Markt: Dollarkonto, Stripe, Amazon.com und Kunden, die lieber mit einer US-Gesellschaft abschließen. Ein Steuervorteil gehört bei Wohnsitz in Deutschland nicht dazu.
Bei welcher Rechtsform zahlt man am wenigsten Steuern?
Das hängt vom Gewinn ab. Bei kleinen und mittleren Gewinnen ist das Einzelunternehmen oder eine transparente LLC meist günstiger, weil der progressive Tarif, der Grundfreibetrag und der Freibetrag bei der Gewerbesteuer greifen. Bei hohen Gewinnen, die im Unternehmen bleiben, ist die GmbH oder UG mit rund 30 % im Vorteil. Eine Rechtsform, die in Deutschland grundsätzlich weniger Steuern zahlt, gibt es nicht.
Muss eine LLC in Deutschland Steuern zahlen?
Ja, wenn sie von Deutschland aus geführt wird. Dann liegt der Ort der Geschäftsleitung in Deutschland, und der Gewinn wird hier besteuert, entweder bei Ihnen mit Einkommensteuer oder bei der LLC selbst mit Körperschaftsteuer, jeweils mit Gewerbesteuer bei gewerblicher Tätigkeit. In den USA zahlt eine solche LLC in der Regel keine Bundessteuer, muss aber das Formular 5472 einreichen.
Offizielle Quellen
- GmbHG § 5a: Unternehmergesellschaftgesetze-im-internet.de
- Abgabenordnung § 10: Geschäftsleitunggesetze-im-internet.de
- UStG § 13b: Leistungsempfänger als Steuerschuldnergesetze-im-internet.de
- GewStG § 11: Steuermesszahl und Freibetraggesetze-im-internet.de
- IRS: About Form 5472, Information Return of a 25% Foreign-Owned U.S. Corporationirs.gov
Verwandte Leitfäden
US-LLC aus einem anderen Land gründen: Deutschland, Österreich, Schweiz
